31.08.2011 Vom Nebeneinander zum Miteinander Liebe Wuppertalerinnen und Wuppertaler,
in unserer Stadt gibt es einen großen Anteil an Wuppertalerinnen und Wuppertalern mit einem Migrationshintergrund. Teilweise leben diese Menschen schon in der dritten Generation bei uns, viele sind deutsche Staatsbürger. Die meisten von ihnen stammen aus fremden Kulturkreisen, viele sind muslimischen Glaubens und nicht selten wird Ihnen - aufgrund der Verschiedenheit oder aus Unkenntnis - mit Misstrauen begegnet, das manches Mal auch gegenseitig ist. Das Wort "Integration" und die Forderung nach ihr ist zwar in aller Munde - aber jeder hat dazu so seine eigenen Vorstellungen. Viele fordern, dass sich Menschen mit einer Migrationsgeschichte "integrieren" und meinen damit eigentlich "assimilieren", was natürlich Konfliktpotenzial mit sich bringt. Ich bin der Meinung, dass es keiner von oben angeordneten Integration bedarf - diese würde mit Sicherheit auch nicht erfolgreich sein. Beide Seiten - besser gesagt: alle Menschen in unserer Stadt - haben die nicht immer leichte Aufgabe, ein für alle gedeihliches Miteinander zu finden. In Wuppertal befinden wir uns auf einem guten Weg, den wir schon lange gemeinsam beschreiten und der ein stetiger ist: Wuppertal ist schon heute eine weltoffene, tolerante Stadt, in der Menschen verschiedenster Herkunft, Kulturen, Nationalitäten und Religionen friedlich miteinander leben. Wir haben bei zahlreichen Gelegenheiten unter Beweis gestellt, dass wir uns undemokratischen und intoleranten Gegnern dieses Miteinanders wehrhaft entgegenzustellen wissen.
Beispielhaft leben wir Integration ganz bewusst in diesen Tagen, in denen der muslimische Fastenmonat Ramadan, der neunte Monat des islamischen Mondkalenders, zu Ende geht. Die Stadt hat am 29. August bereits im dritten Jahr zum gemeinsamen Fastenbrechen eingeladen, das in der Mensa der Gesamtschule Barmen mit 120 Gästen in einer sehr angenehmen Atmosphäre des Miteinanders stattfand. Mit dem Fastenbrechen ist es uns wieder gelungen, das gemeinsame Gespräch beim Essen zu finden und den Dialog miteinander zu fördern, der durchaus zum intensiven Nach- und Weiterdenken anregt: Dieser Ramadan steht im Zeichen der Gedanken für die Hungernden in Afrika, wo Millionen nicht auf ein Essen nach Sonnenuntergang hoffen dürfen und sehr viele Muslime spenden einen Teil ihres Vermögens für die Armen.
All dies - und noch viel mehr, was das Leben der Muslime auch in unserer Stadt ausmacht - erfährt man nur, wenn man miteinander spricht, neugierig aufeinander ist, etwas erfahren und Verständnis füreinander gewinnen möchte. Dieses Miteinander ist für mich von äußerster Wichtigkeit, denn ich bin überzeugt, dass Integration nur auf diesem Wege und in alltäglicher Kommunikation gelingen kann. Dass ich zu dem Fastenbrechen eingeladen habe, ist keine "Anbiederung" den Muslimen gegenüber - nein: jeder soll stolz auf seinen Glauben sein und ihn so wie er es für richtig hält leben. Wichtig ist jedoch, dass wir einander verstehen und in unserer Unterschiedlichkeit respektieren und akzeptieren - dazu hat das gemeinsame Fastenbrechen am 29. August einen wichtigen Beitrag geleistet.
Das Ende des Fastenmonats Ramadan mit dem höchsten muslimischen Feiertag Seker Bayrami ("Zuckerfest"), der in diesem Jahr am 30. August begangen wird, ist für uns ein willkommener Anlass, ein besonderes Zeichen für das Miteinander in unserer Stadt zu setzen. Die Stadtgesellschaft gewinnt und entwickelt sich dann zu wahrhaftiger Integration, wenn wir alle dieses Miteinander im Alltag leben. Denn eins ist - in Anlehnung an unseren Bundespräsidenten - sicher: Die Menschen muslimischen Glaubens sind auch ein Teil Wuppertals! In gegenseitiger Wertschätzung und weiterhin friedlichem Miteinander wollen wir die gemeinsame Zukunft unserer Stadt gestalten.
In diesem Sinne grüße ich Sie herzlich
Ihr
Peter Jung